Grüne Logistik und nachhaltiger Versand - Lösungen auf der letzten Meile

Juli 2, 2021
Grüne Logistik und nachhaltiger Versand - Lösungen auf der letzten Meile

Ziele der Grünen Logistik

In den letzten Jahren hat der Bereich der Grünen Logistik massiv an Bedeutung gewonnen.

Einerseits wird die Logistikbranche gesetzlich in die Pflicht genommen, ihren Beitrag zur Reduktion von CO2 zu leisten und damit zum Erreichen der Klimaziele von Paris beizutragen, welche von der EU im Rahmen eines internationalen Übereinkommens im Jahr 2015 verbindlich festgeschrieben wurden. Bedeutet: Bis 2030 müssen die Treibhausgas-Emissionen gegenüber 1990 um mindestens 40 Prozent reduziert werden – eine Maßgabe, die von den Gesetzgebern der Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt sind.

Doch nicht nur gesetzlich, sondern auch gesellschaftlich wächst der Druck auf den Logistikbereich, nachhaltig zu handeln - und das in mehreren Handlungsfeldern der Grünen Logistik.

Grüne Logistik für mehr Transparenz gegenüber den Verbraucher:innen

Eine Studie in Logistik heute zu Nachhaltigkeit und Transparenz untersuchte die Kaufpräferenz von Verbraucher:innen. Klares Ergebnis: 71 Prozent der Verbraucher:innen bevorzugen nachhaltige Produkte, wenn der Handel für vollständige Transparenz sorgt – und das nicht nur bei der  Produktion selbst, sondern über die gesamte Lieferkette hinweg. Hier ist Grüne Logistik ein Teil der Lösung, denn sie macht klimaschädliche Emissionen transparent – und bietet konkrete Alternativen an. Grüne Logistik will dafür umweltfreundliche und nachhaltige Prozesse in Unternehmen etablieren.

Prozesse nachhaltig gestalten: Grüne Logistik und die Messung von CO2-Emission

In einem ersten Schritt gilt es, konkret zu messen, wie die klimawirksamen Emissionen der Lieferkette sind – und zwar entlang der gesamten Lieferkette bis zur Letzten Meile. Dabei hat sich bei der Untersuchung des ökologischen Fußabdrucks (englisch: “Environmental Footprint”) der Fokus auf das Treibhausgas CO2 durchgesetzt. Es lässt sich besonders gut berechnen, gleichwohl es natürlich weitere klimaschädliche Gase gibt, die entlang der Lieferkette entstehen. Dennoch ist heutzutage der CO2-Fußabdruck für die Klimabilanz ein aussagekräftiges Maß, das die Gesamtsumme der Kohlenstoffdioxid-Emissionen in Gramm, Kilogramm oder Tonnen benennt, die ein Produkt oder eine Dienstleistung erzeugt.

Nachhaltiger Umgang mit Ressourcen wie Luft, Boden, Wasser & Co

Der Blick auf das gemessene CO2 ist nur eine Dimension, die bei Grüner Logistik berücksichtigt wird. Entlang der Wege unserer Waren gibt es viele weitere natürliche Ressourcen, die es zu schützen gilt. Frachtschiffe sollten keinen Abfall in die Meere oder Flüsse leiten, die Effekte der Lieferprozesse auf Böden und Naturschutzgebiete sollten minimiert werden, aber es gilt auch die Lärmemissionen zu senken. So versucht Grüne Logistik in jeder Dimension immer die jeweils ökologisch bessere oder möglichst beste Alternative zu wählen, etwa durch Verwendung umweltschonender Transportmittel, durch optimierte Routen- und Tourenplanung oder die nachhaltige Gestaltung von Lagerungen.

Ökonomische Vorteile durch Grüne Logistik

Dass der Weg hin zu nachhaltigen Geschäftsmodellen und Grüne Logistik am Ende nicht nur ökologisch wertvoll, sondern ökonomisch sinnvoll ist, zeigt der Blick auf die seit 1.1.2021 geltende CO2-Bepreisung.

Mit steigenden CO2-Preisen wird wirtschaftlich bestraft, wer viel CO2 produziert oder anders gesagt, CO2 sparen rechnet sich und ist in mehrfacher Hinsicht für Logistik- und Handelsunternehmen ein Wettbewerbsvorteil.

Wie also gelingt Grüne Logistik und welche Lösungen gibt es auf der letzten Meile? Professor Dr. Kai-Oliver Schocke vom Research Lab for Urban Transport (ReLUT) erforscht die letzte Meile der Zukunft – seine fünf wichtigsten Zukunftstrends beschreiben wir im Artikel Letzte Meile Logistik – so könnte sie in Zukunft aussehen.

Klar ist: Die Bestrebungen im Logistikbereich gehen allesamt dahin, auf der letzten Meile umweltfreundlicher zu agieren – und das ist gut so. Welche Konzepte gibt es für eine nachhaltige, grüne letzte Meile?

Konzepte für eine nachhaltige last-mile-Logistik

Faktor 1: Klimafreundliche Paket-Verpackung

Grüne Logistik beginnt mit einer umweltschonenden Verpackung. Je weniger Verpackungsmaterial verwendet wird, desto besser. Und je weniger klimaschädliche Verpackungstypen zum Einsatz kommen – beispielsweise schwer abbaubares Styropor oder Polystyrol oder Mehrschichtfolien, die sich schlecht einem sortenreinen Recycling zuführen lassen, desto besser.

Gute Alternativen sind Verpackungsmaterial aus Altpapier mit einem hohen Recyclinganteil, kompostierbare Verpackungsmaterialien etwa aus land- oder forstwirtschaftlichen Abfallprodukten wie Holzwolle. Einen guten Überblick der nachhaltigen Verpackungsmaterialien bietet das Bundesumweltministerium.

Faktor 2: Klimafreundliche Paket-Verteilung

Dortmund macht es vor und hat sich der klimafreundlichen Paket-Verteilung verschrieben: So plant die Stadt einen Modellversuch mit Mikrodepots, in dem Lieferleistungen gelagert und zur Feinverteilung in die City auf klimafreundliche Verkehrsmittel umgeschlagen werden.

Klingt kompliziert, ist aber sehr praktisch: Aktuell liefern die teilnehmenden Paketdienstleister UPS, DPD, GLS und Amazon Logistics ihre Transportgüter in wiederverwendete Überseecontainer des temporären Mikrodepots und schlagen diese zur Feinverteilung in die City auf der Letzten Meile auf klimafreundliche Verkehrsmittel wie Lastenräder um. Ein Projekt, das Schule machen könnte und dazu beiträgt, die Letzte Meile nachhaltiger zu gestalten.

Klimafreundlicher Micro-Hub als Zwischenlager vor der letzten Meile

Faktor 3: Micro-Hubs vor Ort

Als Micro-Hubs bezeichnet man Räumlichkeiten oder nichtstationäre Zwischenlager, in denen Waren gelagert werden sowie mit klimafreundlichen Transportmitteln wie Lastenfahrrädern oder Transportkarren bestückt werden können. Hier liegt der Fokus also auf der „allerletzten Meile“ und der Frage, wie diese letzten Meter bis zur Haustür so nachhaltig wie möglich gestaltet werden könnten. Dabei gehen die Konzepte sogar in Richtung Kofferraumzustellung, wie ein spannender Testversuch zeigt: Kunden von Amazon, die Audi fahren und in München wohnen, können diese innovative Paketzustellung in den Kofferraum bereits ausprobieren.

Faktor 4: Lieferzeit

Was hat die Lieferzeit mit der nachhaltigen Gestaltung der Lieferung zu tun und welchen Beitrag leistet sie bei der Grünen Logistik auf der letzten Meile? Das Ausweichen der Lieferung auf die Nachtstunden reduziert tagsüber Verkehr, senkt Staurisiken und damit einhergehende CO2-Emissionen. Rund 21 Prozent der Verkehrsbehinderungen lassen sich einer McKinsey-Studie zufolge damit erfolgreich vermeiden.

Die Lieferung kann nachts außerdem schneller erfolgen, energieintensives Anfahren und Bremsen wird reduziert. Im Bereich der E-Mobilität ist der nächtliche Betrieb ebenfalls von Vorteil, da nachts insgesamt weniger Strom verbraucht wird und die Stromspitze nicht belastet wird. Die Lieferzeit ist in Kombination mit Micro-Hubs wie Paketstationen also eine sehr effiziente Lösung, grüne Logistik umzusetzen.

Faktor 5: Nachhaltige Transportmittel

See-, Flug- und lange Schienenwege lassen sich in Abhängigkeit der Warengruppe kaum reduzieren. Gerade auf der Letzten Meile jedoch schlägt die Stunde der elektrischen Antriebe, etwa per Elektroauto, E-Bike oder E-Scooter. Noch besser: Immer mehr Lieferunternehmen setzen auf CO2-neutrale Transportmittel auf der letzten Meile, beispielsweise Fahrradkuriere. Eine gute Sache, um komplett ohne CO2-Emission auszukommen.

SEVEN SENDERS GREEN

Faktor 6: Tourenoptimierung

Wie lassen sich Touren optimieren, so dass die Wege insgesamt kürzer werden, weniger CO2 entsteht und Leerfahrten vermieden werden? Das ist das Einsatzfeld von Logistikprofis wie Seven Senders und von intelligenter Software, die eine fortlaufende Tourenplanung ermöglicht. Digitale Logistiklösungen sind damit also ein wesentlicher Baustein der Grünen Logistik.

Wichtiger Nachhaltigkeitshebel und nicht zuletzt ein Faktor der Bequemlichkeit ist die sogenannte Zeitfensterzustellung, die sich vor allem im Onlinehandel immer mehr durchsetzt. So kann etwa ein Onlineshop seiner Kundschaft durch optimierte Logistikprozesse eine bestimmte Lieferzeit zusagen. Der Kunde trackt die Lieferung und stellt sicher, dass er sie zuhause entgegennimmt. Vorteil ist, dass die Ware ankommt, wenn der Kunde oder die Kundin bereit ist, anstatt dass die Ware beim Nachbarn oder in einem womöglich mehrere hundert Meter entfernten Sammelpunkt abgegeben wird oder – schlimmstenfalls – zurückgeschickt wird.

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